Diese Seite sieht besser aus in einem Browser, der aktuelle Web-Standards unterstützt. Wenn diese Seite bei Ihnen unleserlich angezeigt wird, teilen Sie das bitte unter Angabe Ihres Anzeigegeräts mit.

Zwischen Rhein und Wingert

Zwischen Rhein und Wingert

Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel

Wanderung

Hier ist nur einer von vielen Wandervorschlägen veröffentlicht. Weitere Wanderrouten mit Karten und Erläuterungen finden Sie Buch "Zwischen Rhein und Wingert"

Wenn es auch heißt, die Deutschen hätten die Wanderkultur erfunden - im Grunde genommen ist das Wandern so alt wie die Menschheit. Von den ersten Menschen, die als Nomaden durch die Steppe zogen, bis hin zum Handwerksburschen, der zumindest zeitweise »auf der Walz« war, hat sich an dieser ursprünglichsten aller Fortbewegungsarten nicht viel geändert. Viele Jahrhunderte lang standen dann religiöse Motive im Vordergrund eines längeren Fußmarsches: Den frommen Pilgern lag es an Selbstüberwindung allein zu Gottes Ehr. Erst die Romantiker richteten ihr Augenmerk auf die Landschaft und deren Schönheit, die sie in Gedichten, Liedern und Gemälden priesen. Heute spielt auch die gesunde und erfrischende Entspannung vom Alltagsstress eine Rolle.

Im Folgenden wird beispielhaft eine Tour aus dem Buch zum Erwandern unserer Region vorgeschlagen - im Buch finden sich natürlich weitere vom kleinen Spaziergang über mehrstündige Wanderungen bis hin zum Tagesausflug.

Abwechslungsreiche Touren werden mit verschiedenen lokalen Hinweisen genau beschrieben. Themenwanderungen stellen Landschaft und Orte unter einem bestimmten Aspekt vor, Radtouren, Bahnfahrten und eine Schifffahrt runden das Programm ab. Für den Wanderfreund ist die Anschaffung des Buches "Zwischen Rhein und Wingert" also auf jeden Fall zu empfehlen.

TOUR 3 - Themenwanderung: Die sieben Zwerge - Erzbergwerke in Rheinbreitbach und Bruchhausen

Startpunkt: Rheinbreitbach, Gebrüder-Grimm-Schule, Schulstraße (gegenüber der Oberen Burg)
Strecke: 8 km
Höhenunterschied: 125 m

Rheinbreitbach bildet den Start- und Endpunkt dieser abwechslungsreichen Wanderung. Hier verbrachten Mitglieder der Familie Grimm in der Mitte des 19. Jahrhunderts so manchen unbeschwerten »Urlaubstag«.

Die Rheinbreitbacher Gebrüder-Grimm-Schule mit immerhin drei Zwergen

Die Wanderung beginnt an der Gebrüder-Grimm-Schule, die ihren Namen zu Ehren der berühmten Sprach- und Märchenforscher Gebrüder Grimm trägt.

Für den naturnah angelegten Schulhof hat ein Künstler aus Basaltstein Spielgeräte in Gestalt von Märchenfiguren geschaffen, z.B. einen Esel, einen riesigen Frosch und natürlich Zwerge. Auch außerhalb der Schulzeiten darf das phantasievoll gestaltete Gelände von Kindern »bespielt« werden.

An der Kreuzung biegen wir links in die Straße »Am Grendel« ein und kurz darauf oben rechts in die Westerwaldstraße, der wir nun folgen. Auch die Rheinbreitbacher Bergleute sind hier vor gut 200 Jahren auf ihrem täglichen Gang zur Arbeit entlang gekommen.

Eingang des Umlaufstollens auf der Breiten Heide in Rheinbreitbach

An einer Wegabzweigung steht ein Holzkreuz, das 1980 nach alten Vorlagen neu errichtet wurde. An dieser Stelle verweilten die Bergleute jeden Morgen und verrichteten ein Gebet, bevor sich ihr gemeinsamer Weg trennte: Die einen bogen rechts zur Grube Marienberg ab, die anderen zogen weiter geradeaus zur Grube Virneberg, dem nächsten Ziel unserer Wanderung. Schon der Name »Virneberg« (Firn = alt) weist auf einen alten Ursprung hin, vermutlich geht das Bergwerk bereits auf die Römer zurück; zumindest fand man hier in einem augenscheinlich alten Stollen reichlich römische Münzen. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde die Grube 1604, als ein Bartholomäus Brück das kurfürstliche Bergwerk in Betrieb genommen hatte. Während des 30jährigen Kriegs verwüsteten die Schweden jedoch die Schmiede und die Wasserkunst - ein Schaden, von dem sich das Bergwerk nur schwer wieder erholen konnte.

1694 vergab Kurfürst Josef Clemens, Herzog von Bayern, die Bergbaurechte an den Kölner Brückenbaumeister Anton Clouth. Unter seiner Führung wurde der Virneberger Grundstollen angelegt, der auf einer Länge von über einem Kilometer das Bergwerk aufschloss und entwässerte. Das Stollenmundloch befindet sich noch heute in der Nähe der Westerwaldstraße, nicht weit von den Tennisplätzen entfernt, im Wald. Um 1732 wurde der Grubenname offiziell in »St. Josephsberg« umgeändert.

Seine Blütezeit erlebte der Rheinbreitbacher Bergbau jedoch während des 19. Jahrhunderts unter der Leitung der Brüder Rhodius. Im Rekordjahr 1861 wurden hier über 42.000 t gefördert. Auch eine Glocke des Bonner Münsters enthält zu großen Teilen Rheinbreitbacher Kupfer.

Aufbereitet wurde das Kupfererz hier unten im Breitbachtal. In der ehemaligen Schmelze im Bereich der heutigen »alten Ziegelei« wurden die Erzbrocken in einem Pochwerk zerkleinert und das Kupfer darin aufgeschmolzen. Rund ein Kilometer weiter oberhalb, im Ortsteil Breite Heide, erreicht der Kupfererzgang fast die Erdoberfläche. Dorthin wandern wir nun parallel zur kurvenreichen Fahrstraße. An einer Linkskurve der Straße biegt ein Weg rechts ab. Hier haben sich gleich mehrere Zeugnisse der einstigen Bergwerkstätigkeit erhalten können. Direkt an der Straße befinden sich zwei Eingänge des Umlaufstollens, die unlängst vom St.-Josephs-Bürgerverein sorgsam wieder aufgebaut und gesichert wurden. Am Wanderweg rechts erkennen wir im Hintergrund einen Teil der ursprünglichen Halde. Leider wurde der Großteil vor einigen Jahren mit Erdreich aufgefüllt; früher fand man dort mit Sachverstand und etwas Glück kostbare Mineralien.

Davor spricht das »Virneberger Kreuz« (s. Zusatzinfo) ein beredtes Zeugnis von der harten Arbeit der Bergleute. Auch wenn es in der Grube zum Glück keine größeren Unfälle gegeben hat - Stollen und Schächte waren im harten Quarzgestein ausgehauen - wurden die Bergleute aufgrund der ungesunden Arbeit selten älter als 40 Jahre. Im weiteren Verlauf der Straße (Breite-Heide-Straße/Rheinblickstraße) befindet sich ein weiteres Kreuz, das an die Grubeneigentümer erinnert (Clouthe-Kreuz).

==> weiter     ==> Zusatzinfo: Bergwerkskreuze     ==> weitere Literatur     ==> Anreise/Adressen