Diese Seite sieht besser aus in einem Browser, der aktuelle Web-Standards unterstützt. Wenn diese Seite bei Ihnen unleserlich angezeigt wird, teilen Sie das bitte unter Angabe Ihres Anzeigegeräts mit.
Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel
Die Stadt Unkel ist besonders reich an historisch interessanten Bauwerken. Da ihre Sehenswürdigkeiten jedoch in einer Vielzahl erhältlicher Publikationen geschildert werden, beschränkt sich dieser Führer nur auf einige »Highlights«.
Wie kein anderer Ort der Verbandsgemeinde ist Unkel geprägt durch die Lage am Rhein. Keine Straße trennt die Stadt vom Ufer; mehrere der malerischen Gassen münden direkt in die Rheinpromenade. Auf der höchsten Stelle, dem Pantaleonsberg, erhebt sich die ehrwürdige katholische Pfarrkirche St. Pantaleon. Die romanische Basilika mit dem wuchtigen Turm wurde während der Gotik umgebaut und insbesondere während der Barockzeit mit wertvollen Kunstwerken ausgestattet. Aus spätromanischer Zeit stammt noch ein Taufstein aus Basalt, den der mittelalterliche Steinmetz mit einem sehr fein gearbeiteten Laubfries geschmückt hat. Der ebenfalls schön gestaltete Bronzedeckel stammt aus jüngerer Zeit. Der Taufbrunnen - das älteste Kunstwerk Unkels - ist in der »Vierzehn-Nothelfer-Kapelle« aufgestellt, in der sich die fast lebensgroßen Figuren dieser Heiligen befinden, darunter auch eine Statue von St. Pantaleon, dem die Kirche geweiht ist. Eigentlich ist die Verehrung dieses Heiligen mitsamt der anderen Nothelfer eher in südlichen Regionen verbreitet. Doch mit Theophanu (955-991 n.Chr.), der Gemahlin von Otto II., kam die Kunde von ihnen auch in unsere Region. Pantaleon war sozusagen der »Lieblingsheilige« der Prinzessin aus Konstantinopel, die durch ihre Heirat byzantinisches Kulturgut an den deutschsächsischen Hof und damit nach Köln brachte.
Der kunstvoll geschnitzte hölzerne Schrein aus dem 15. Jahrhundert auf dem Altartisch der 14-Nothelfer-Kapelle enthielt Reliquien des Hl. Pantaleon. Aus ungefähr der gleichen Zeit stammt der ehemalige Hochaltar, der in volkstümlicher Art legendäre Szenen aus dem Leben des Heiligen erzählt. Als Patron der Ärzte mit einer Salbdose ausgestattet, wird er zudem mehrfach in der Pfarrkirche abgebildet. Noch älter ist die ausdrucksstarke Holzplastik an einem der Pfeiler. Als »Schmerzensmann« ist Jesus Christus dort dargestellt; dornenbekrönt und mit gefesselten Händen schaut er uns an.
Im Renaissancestil ist ein steinerner Altar gehalten, den die Brüder von Herresdorf gegen 1630 gestiftet haben. Er zeigt die recht seltene Darstellung des Tempelganges Mariens. In unmittelbarer Nachbarschaft hängt am Pfeiler eine Plastik, die »Schule Mariens« genannt wird: Mutter Anna und Tochter Maria haben in der Bibel gelesen und lassen das Wort Gottes auf sich wirken. Ungefähr in der Mitte der Kirche hängt ein ebenfalls spätgotischer Leuchter aus Schmiedeeisen mit schön gearbeiteten Engeln.
Besonders prächtig ist die barocke Einrichtung in der Kirche, die größtenteils vom Unkeler Pfarrer Godfrid Eschenbrender und seinem Bruder gestiftet wurde, deren Familienwappen mit drei Kleeblättern aus diesem Grund an vielen Kunstwerken auftaucht. Zu ihren edlen Spenden gehört der Hochaltar, dessen Gemälde genau dem der römischen Pantaleonskirche entspricht und möglicherweise vom gleichen Maler, nämlich dem Italiener Mattia Preti geschaffen wurde. Es zeigt Pantaleon bei der Heilung eines Blinden. Der Tabernakel mit dem Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln kam allerdings erst im Rokoko dazu. Barock sind auch die Kanzel und die Beichtstühle. Die Kommunionbank mit ihren kunstvoll geschnitzten Eucharistiesymbolen verdient eine besondere Beachtung. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurden vielerorts die »schrankenhaften« Kommunionbänke abgeschafft; die Unkeler Chorschranken bilden also eine Ausnahme.
Eine wundervolle Arbeit ist die kostbare Stickerei des Stammbaums Christi, das die »Wurzel Jesse« in Gold- und Silberfäden auf rotem Samt darstellt. Die jahrhundertelange Geschichte dieses Gotteshauses lässt sich auch an kleinen Details ablesen, wie z.B. den geschnitzten Hausmarken, mit denen die Kirchgänger »ihre« Bank als solche gekennzeichnet haben. So spürt man auch trotz der prächtigen, kunsthistorisch wertvollen Ausstattung: Diese Kirche lädt weniger zum Besichtigen denn zum Beten ein.
Die Kirche umgibt »der am schönsten gelegene Friedhof am Rhein«, wie Kunsthistoriker urteilen (Rheinische Kunststätten, Stadt Unkel). Dies ist dem konservativen Geist der Bewohner zu verdanken, denn eigentlich sorgten die preußischen Beamten im 19. Jahrhundert dafür, dass die Friedhöfe an die Stadtgrenzen verlagert wurden. Die Unkeler setzten es jedoch durch, ihre Toten weiterhin auf dem Kirchhof zu begraben und sie auf diese Weise bei sich zu behalten. So finden wir auf dem Friedhof Grabkreuze und -male aus fünf Jahrhunderten. Die Wege sind gesäumt von schönen alten, z.T. spätgotischen Steinkreuzen mit Hausmarken und Berufsbezeichnungen. Auf einigen Kreuzen der Barockzeit sind die Leidenswerkzeuge plastisch herausgearbeitet.
Die begrenzende Mauer gehörte übrigens teilweise zu dem ehemaligen Bein- und Rathaus, das sich hier früher befand.
Hinter dem Friedhof erstreckt sich das Christinenstift, das aus einem mittelalterlichen Zehnthof hervorgegangen ist. Er gehörte dem Kölner Domkustos, der die Rechte vermutlich im 11. Jahrhundert von der polnischen Königin Richeza geschenkt bekam. Nach der Säkularisation wurde das Gebäude zunächst von verschiedenen auswärtigen Familien als Sommersitz genutzt. Hier »residierte« um 1829/31 die »Rheingräfin« - Sybille Mertens- Schaaffhausen. Die Tochter des Kölner Bankherrn Abraham Schaffhausen war eine umfassend gebildete und interessierte Frau, die es verstand, zahlreiche Literaten und andere Künstler ihrer Zeit - wie z.B. Annette von Droste- Hülshoff, Johanna und Adele Schopenhauer, Mutter und Schwester des Philosophen - zum geistreichen Austausch zusammenzuführen. 1896 erwarb es dann der Zeitungsverleger August Libert Neven DuMont, der mit großem Kapitaleinsatz in einem Anbau ein kleines Krankenhaus einrichtete, das nach seiner Ehefrau »Christinenstift« genannt wurde. Nach weiteren Umbauten dient es heute als Seniorenwohnheim.
==> weiter