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Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel
Heute erinnert nur noch der Torbogen mit dem Wappen an die mittelalterliche Burg und das Adelsgeschlecht. Eingemauert in den Bogen sind die sterblichen Überreste der letzten Freifrau von Breitbach, Anna Maria Gräfin von Walderdorff. Im Hintergrund liegen die Fundamente der Burganlage, zwischenzeitlich vom Erdreich befreit und nun wieder von der Natur zurückerobert. Gut erhalten und sehr geschmackvoll renoviert ist allerdings das ehemalige Gesindehaus der Unteren Burg, das mit seinem schön gestalteten Garten am Bachlauf den Eindruck einer Wasserburg wachhält.
Wenn es einst eine Untere Burg gab, muss sich in Rheinbreitbach doch auch eine Obere Burg befinden. In der Tat liegt sie nur wenig oberhalb, eingebettet in einen prachtvollen Park mit exotischen Bäumen. Ihre Ursprünge liegen im Dunkeln; sicher ist nur, dass sie bis 1655 ein Lehen des Stiftes Maria ad Gradus war, das auch in Unkel ein Anwesen besaß. Berühmtheit erlangte der auffällige Bau Anfang des 20. Jahrhunderts, als ihn sich der damalige Bestseller-Autor Rudolf Herzog zum stattlichen Sommersitz auserwählte.
Heute ist sie - frisch renoviert - der Sitz des Bürgermeisters und wird für eine hochkarätig besetzt Kulturreihe genutzt. Im Park findet alljährlich im August das vielbesuchte Parkfest statt, an dem fast alle Ortsvereine mitwirken.
Direkt gegenüber der ehemaligen Unteren Burg liegt die Pfarrkirche Rheinbreitbachs, der Heiligen Maria Magdalena geweiht. Ein Modell des gotischen Gotteshauses befindet sich im Louvre als Beispiel einer rheinischen Dorfkirche. Der Bau aus dem 15. und 16. Jahrhundert bildet mit den barock überarbeiteten Altären und der Kanzel aus dem ausklingenden Rokoko eine harmonische Einheit und strahlt eine anheimelige Atmosphäre aus - im Kontrast zum modernen Anbau der Kirche in den Sechzigerjahren. Kunsthistorisch besonders wertvoll ist die Ampel mit dem Ewigen Licht, eine aufwendige Silberarbeit aus der Zeit um 1700. Neben den schön gestalteten Holzfiguren der Maria Magdalena und der Muttergottes sei die übermannsgroße barocke Statue des Joseph erwähnt (in der Nähe des Taufbrunnens), die an die Bergbautradition des Ortes erinnert und nach jahrzehntelanger Abwesenheit erst kürzlich wieder »heimgekehrt« ist.
Zum Kirchenschatz gehört neben goldenen Monstranzen und Kelchen, geschnitzten Kreuzen und silbernen Weihrauchgefäßen auch eine Vielzahl farbenprächtiger Kaseln (Messgewänder), die bis zu über 500 Jahre alt sind.
Dem bereits im Mittelalter hochverehrten heiligen Leonardus war bereits im 16. Jahrhundert eine eigene Kapelle geweiht worden. Nach ihrer Zerstörung im Kölnischen oder Truchsessischen Krieg wurde 1655 mit dem Bau der heutigen Leonarduskapelle begonnen. In späterer Zeit wurde sie mit einem bemerkenswerten Flügelaltar und einem Armreliquar des hl. Leonardus ausgestattet. Es spricht für das religiöse Bewusstsein der Rheinbreitbacher, dass in diesem früheren Wallfahrtskirchlein regelmäßig die Wochentagsgottesdienste stattfinden.
An die alte Bedeutung der Leonarduskirmes erinnert der Brauch der Pferdesegnung, die der Pfarrer alljährlich im November vornimmt.
In diesem Zusammenhang sei auch das moderne evangelische Gemeindezentrum in der Bürresheimer Straße erwähnt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die evangelische Konfession in Rheinbreitbach nicht nennenswert Fuß gefasst, auch nicht zur Zeit der Reformation. Das mag nicht verwundern, war das Dorf doch fest in der Hand des Kölner Erzbischofs. Mit der Auflösung des Kölner Kurstaates, als das Rheinland preußisch wurde, kamen die ersten Protestanten in den Ort. Heute umfasst die evangelische Gemeinde weit über 1.000 Mitglieder. In dem neuen Bauwerk auf kreuzförmigem Grundriss sind neben dem eigentlichen Gotteshaus noch verschiedene Räumlichkeiten untergebracht, die u.a. Seniorentreffs, Krabbel-, Jugend- und Frauengruppen dienen. Ökumene, insbesondere der Austausch und die praktische Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrgemeinde, wird von beiden Seiten groß geschrieben.
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