Diese Seite sieht besser aus in einem Browser, der aktuelle Web-Standards unterstützt. Wenn diese Seite bei Ihnen unleserlich angezeigt wird, teilen Sie das bitte unter Angabe Ihres Anzeigegeräts mit.

Zwischen Rhein und Wingert

Zwischen Rhein und Wingert

Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel

Rheinbreitbach

Abwechslungsreiches Fachwerk an der Westerwaldstraße

Rheinbreitbach liegt - anders als der Name vermuten lässt - nicht direkt am Rhein, sondern etwas oberhalb und ist auf diese Weise geschützt vor Überschwemmungen. Ursprünglich hieß es nur »Breitbach« oder »Breipaach«, wie die Einheimischen es aussprechen. Der fränkische Name bezieht sich auf den Bach, der einst mitten durch den Ort lief und erst im Jahre 1826 ein engeres Bett erhielt. Doch schon im17. Jahrhundert taucht erstmals der Name«Rheinbreitbach« auf, wohl zur Unterscheidung vom gleichnamigen Dorf im Westerwald, dem heutigen Waldbreitbach.

Der alte Kern des Orts schmiegt sich in Herzform an seinen Hausberg, den Koppel. Um ihn herum war eine Befestigungsanlage aus Pfählen und z.T. aus Mauern errichtet. An ihrer Außenseite war ein Graben gezogen, dessen Tiefe nach alten Quellen zumeist neun Meter betrug. Den Verlauf kann man z.T. an den noch erhaltenen Bruchsteinmauern und an den Straßennamen wie »Am Rumersgraben« ablesen. Der Graben umfasste neben dem Dorf auch Felder, Obst- und Weingärten.

Winzerhöfe im Fachwerkbau

Der Hillenhof im Irsbich - einst ein klösterliches Anwesen ...

Vom einstigen Weinbau sind noch zahlreiche Spuren erhalten geblieben. Abgesehen von dem Wingert nahe dem Koppel, der von Hobbywinzern betrieben wird, ist das Ortsbild geprägt von den alten Winzerhöfen im Fachwerkbau mit ihren typischen großen Torbögen. Entlang der Westerwaldstraße lassen sich einige dieser liebevoll gepflegten Hofanlagen bewundern.

In der Rheinstraße befindet sich mit dem langgestreckten Waldorfhof eines der ältesten dieser Winzerhöfe mit einem geräumigen Gewölbekeller aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Noch vor wenigen Jahren sollte er wegen Baufälligkeit abgerissen werden und einem Neubau weichen. Mit viel Engagement und Freude an historischen Details wurde er jedoch renoviert und dient nun Wohnzwecken.

Schräg gegenüber erhebt sich hinter einer Toranlage das eher kompakte rebenbewachsene Fachwerkhaus des Hillenhofs - eine ländliche Idylle mitten im Dorf.

Am Zaun erstreckt sich meterweise Brennholz aus dem hofeigenen Wald, in den Scheunen sammeln sich landwirtschaftliche Klein- und Großgeräte aus vergangenen Zeiten - darunter auch Traktoren-Oldtimer -, unter Obstbäumen gackern Hühner und schnattern Gänse.

... ebenso wie »Unterm Heilig« in der Burgstraße

Eine Vorstellung von der früheren Dorfatmosphäre vermittelt auch die Burgstraße. Hier gibt es eine ganze Reihe von historischen Fachwerkhäusern. Auf der Ecke zur Hauptstraße hin, gegenüber vom stattlichen »Tabakhäuschen«, liegt das ehemalige Weinlokal »Em Höttche«. In dem urigen Bau, der heute bewohnt wird, entdeckte man vor einiger Zeit die Reste eines fränkischen Schwertes (s. Kapitel Geschichte S. 152). Folgt man dem Verlauf der »Jass«, wie die Straße früher genannt wurde, erblickt man auf der linken Seite ein weiteres Weinlokal [mittlerweile geschlossen], das zur Zeit nur zu besonderen Anlässen geöffnet hat. »Unterm Heilig« heißt dieses reizvolle Anwesen mit einem vollständig erhaltenen Kelterhaus, das aus Bruchstein im 16. Jahrhundert errichtet wurde.

Im Innern zeugten bauliche Besonderheiten auf die jüdische Kultur ehemaliger Bewohner hin: Eine blinde Treppe deutete auf den Brauch eines rituellen Bades hin. Einheimische erzählen, dass hier auch traditionell das Laubhüttenfest gefeiert wurde. Der Heimatverein erinnert immer wieder in Führungen und Festen an das Leben und die Bräuche der einstmals zahlreichen jüdischen Mitbewohner des Ortes.

Die Untere Burg

Die ehemalige Wasserburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Burgstraße führt schließlich hinter die Pfarrkirche. Gegenüber befand sich einstmals die Untere Burg, eine der ältesten Wasserburgen im Rheinland. Sie gehörte dem Grafengeschlecht der Breitbacher, das 1246 wegen eines Streits um den Weinzehnt erstmals urkundlich erwähnt wird. In mehrfacher Weise ist es mit den Herren von Wolkenburg und Drachenfels verquickt, was sich auch in der Gestaltung des Wappens niedergeschlagen hat: ein roter Drache auf silbernem Schild (die Drachenfelser haben einen silbernen Drachen auf einem roten Schild). In der Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Herren von Breitbach Dienstmannen der Grafen von Sayn, später wurden sie durch Verkauf der Güter zu Ministerialen des Kölner Erzbischofs und sollten es bis zum Jahre 1785 auch bleiben. Berühmtester Vertreter des Rheinbreitbacher Geschlechtes war übrigens Emmerich Joseph von Breitbach, der als Erzkanzler nach dem Kaiser zum zweitwichtigsten Mann im Deutschen Reiche gekürt wurde. Gleichzeitig war er Erzbischof von Mainz. Als solcher krönte er 1764 Joseph II. im Frankfurter Dom zum deutschen Kaiser.

Hervorragend restauriert - das »Gesindehaus« der Wasserburg

Das Burggebäude mit seinen Nebengebäuden - darunter eine Ölmühle - wurde bereits 1376 erstmalig erwähnt. Da die Grafen ihren Wohnsitz ab 1500 in das komfortablere Schloss Bürresheim verlegten, wurde die Rheinbreitbacher Burg nicht mehr durchgängig gepflegt. Gegen Anfang des 20. Jahrhunderts zerfiel sie zusehends. In den Dreißigerjahren sollte sie renoviert werden; die Zementsäcke befanden sich bereits im Burghof, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte dieses ehrgeizige Projekt. In den Sechzigerjahren blieb kein anderer Ausweg, als die mittlerweile eingestürzten Reste abzureißen.

==> weiter