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Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel
»Kaum ein Ort am Rhein scheint so die sonnige Lebensfreude des gesegneten Rheintals widerzuspiegeln wie das trauliche Erpel am Fuß der schroff zum Strom hin abfallenden Erpeler Ley«, heißt es in dem historischen Führer »Rheinische Kunststätten« (Heft 29). In der Tat strahlt der Ort mit seinem nahezu geschlossenen Bild rheinischen Fachwerks, der alten Stadtmauer, der Kirche und dem Rathaus eine eigene Atmosphäre aus. Kaum zu glauben, dass nach dem Zweiten Weltkrieg - aufgrund der Lage nahe der strategisch wichtigen Ludendorff-Brücke - 54% der Bausubstanz zerstört war. In mühevoller Arbeit haben die Bewohner ihren Ort wieder aufgebaut. Zum Abschluss ließ die Gemeindeverwaltung Erpel am Fronbogen die Aufschrift »Herrlichkeit Erpel - Fronhof - 1388« anbringen. Die Jahreszeit bezeichnet nicht etwa das hohe Alter des Gebäudes - der Fronbogen selbst ist sogar noch älter -, sondern auf das Erscheinungsjahr eines Gerichtsbuches, das als so genanntes »Weistum« von der Blütezeit Erpels kündet. Der Begriff »Herrlichkeit« dagegen weist auf die Sonderstellung des Ortes hin. Er war nämlich bereits 1130 dem Kölner Domkapitel geschenkt worden, dem politischen Gegenspieler des Kölner Kurfürsten. Das Domkapitel errichtete in Erpel eine so genannte Unterherrschaft, die eine Sonderstellung im Erzstift und späteren Kurfürstentum begründete und bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts währte. Diese »Herrlichkeit« war also nie einer weltlichen Obrigkeit untergeordnet.
Aufgrund der weiten Entfernung von Köln bestellte das Domkapitel einen Vogt zur Wahrung seiner Interessen und zur Sicherheit der Erpeler Bürger. Doch schon wenig später wurde für diese Aufgaben ein ortseigener Schultheis für mehrere Jahre ernannt. Erpel erwarb sich nach und nach immer mehr Freiheiten - freilich mit Billigung des Domkapitels.
Die Kölner Domherren weilten regelmäßig in der schönen Jahreszeit und natürlich während der Weinlese in dem eigens dafür erbauten »Fronhof«, der aus Kelterhaus, Zehntscheune, Tiergarten und dem Kölner Hof bestand.
Die älteren Teile des Kölner Hofs, ein im gotischen Stil erbautes Haus nahe des Kirchturms, sind bis heute gut erhalten. In seiner Verlängerung wurde 1725 im heiteren Rokokostil ein sechsseitiges Gartenhaus mit geschwungener Haube aufgesetzt. Den ältesten Teil des Fronhofs stellt allerdings der Torbogen dar, der ursprünglich zum Rheintor der mittelalterlichen Befestigung gehörte und vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Von der dazugehörigen Ringmauer sind große Teile erhalten, insbesondere die besonders massiv aus unbehauenen Basaltbrocken gemauerte Befestigung zum Rhein hin. Als einziger Turm der alten Stadtmauer ragt heute noch das Neutor mit seiner spitzbogigen Durchfahrt empor. In den Geschossen des Torturms wird mit viel Engagement von hiesigen Handwerkern ein kleines Museum geschaffen. Die früheren Tore Schleidenpforte und das Linzer Tor sind nicht mehr erhalten. Erwähnenswert ist jedoch auch der Rest eines runden Turmes am Rhein, der einst - wohl ähnlich wie der Unkeler Gefängnisturm - als Eisbrecher fungierte.
Uralt ist auch die Pfarrkirche in der Dorfmitte. Die heutige Kirche ist über einem Vorgängerbau größtenteils im spätromanischen Stil errichtet und ist damit das älteste Gotteshaus in der Verbandsgemeinde Unkel (Foto S. 154). Während der Barockzeit wurde sie leider einschneidenden Änderungen unterworfen, die in den 1960er Jahren bei umfangreichen Restaurierungsarbeiten jedoch größtenteils wieder rückgängig gemacht wurden. So präsentiert sie sich heute wieder als dreischiffige Emporenbasilika. Der Innenraum in schöner rhythmischer Gliederung ist nach alten Originalbefunden farbenfroh ausgemalt: Alle tragenden Architekturteile in hellem Grau mit weißem Fugenstrich, die Säulendienste, Rippen und Wülste dagegen im lebhaftem Streifen-, Wellen- und Punktmuster in Rot, Gelb, Grau und Schwarz. Nur wenige Kunstwerke lenken den Blick von der gelungenen Architektur auf sich, darunter der Erzengel St. Michael aus gotischer Zeit, der in jugendlichem Schwung sein Schwert gegen den Höllenhund richtet.
Dem Auge verborgen, bewahrt die Kirche jedoch einen weiteren kostbaren Schatz auf: ihre Glocken. Um die älteste - Osanna genannt - rankt sich eine sonderbare Sage, doch auch ohne sie wirkt das Erpeler Geläut geheimnisvoll schön. Die einzelnen Glocken sind harmonisch aufeinander abgestimmt: D - E - fis - E; ihr Zusammenklang bildet mit der Reinheit der Obertöne keine Akkorde, sondern Melodien, die bereits mehrfach aufgenommen wurden und »über den Äther« liefen. Auch wenn das Alter von Osanna erstaunlich scheint - schließlich wurde die Technik des Glockengusses erst um 1100 von Mönchen entwickelt - gab es möglicherweise sogar noch Vorgänger in Erpel. jedenfalls heißt es in einer Legende, nach der das Erpeler Gotteshaus die Gebeine der Hl. Drei Könige aufnahm, als sie von Mailand nach Köln gebracht wurden: »Bei der Translation 1164 läuteten am Rhein entlang in allen Orten zu beiden Seiten die Glocken.«
An diese sagenhafte Geschichte erinnern übrigens auch die drei Kronen im oberen Feld des Ortswappens.
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Im Buch zusätzlich enthalten:
- Die Legende von den Rheinperlen
- Sage über den Glockenguss