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Zwischen Rhein und Wingert

Zwischen Rhein und Wingert

Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel

Bruchhausen

(Fortsetzung)

Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist

Obwohl die Kirche darüber zunächst alles andere als begeistert war und die Madonna hinter dicken Türen verschloss, drang die Kunde von der weinenden Muttergottes durchs ganze Land und machte Bruchhausen als Wallfahrtsort berühmt. Zahlreiche Pilger brachten ihr wertvolle Broschen, Medaillons und Kreuzchen dar, die noch heute zu ihren Füßen angeordnet sind. Zum Feste Mariä Himmelfahrt am 15. August wird sie alljährlich in ihrem Gewand aus Brokat und Brüsseler Spitze während einer abendlichen Lichterprozession durch den Ort geführt.

Das - zumindest kunsthistorisch betrachtet - wohl bedeutendste Werk der Kirche ist das Ölgemälde, das sich in der Eingangshalle befindet: ein Totentanz, das Einzige seiner Art im Rheinland. In Frankreich und in der Schweiz sind diese schaurig-schönen Bilderbögen seit dem Spätmittelalter öfter anzutreffen. In ihnen klingt die Auferstehung der Toten an, die sich am Jüngsten Tag tanzend aus ihren Gräbern erheben - ein Motiv, das mahnend und tröstlich zugleich auf den allgegenwärtigen Tod in der damaligen Zeit vorbereiten sollte.

Das ungewöhnlichste Kunstwerk der Kirche: Der Tod bittet zum Tanz

Der Totentanz in Bruchhausen zeigt zwanzig Todeskandidaten in wohlsortierter Reihenfolge: neun Vertreter der geistlichen Stände (oben) und elf der weltlichen. Mitten unter ihnen befindet sich der auferstandene Christus, der allen Menschen Erlösung verheißt. Die Art und Weise, wie Gevatter Tod die Damen und Herren zum Tanze auffordert, ist höchst individuell und hält so manche Überraschung parat. Grinsend äfft er den Arzt nach, höhnisch hält er dem Richter einen Geldbeutel entgegen - dem armen Bettelmann legt er jedoch liebevoll den Arm um die Schulter. In den Szenen vom Domherrn und Leutpriester klingen lokale Zwistigkeiten an, bei denen sich der Tod auf die Seite des Leutpriesters schlägt und ihm beim Austeilen der Kommunion zu den Kranken hilft - vermutlich eine Anspielung auf die Pestwelle, die während des 30jährigen Kriegs in Bruchhausen wütete. Auch die Kleidung der Adligen mit gepuderten Perücken deutet auf eine Entstehung in der Barockzeit hin.

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch das Votivbild der Schmerzreichen Mutter Gottes in Auftrag gegeben (1636). Es wurde gespendet von den Kindern der Anna Katharina Spee, die als »Hexenkönigin von Bruchhausen« verbrannt wurde.

Burg Spee und Gehöfte

An der höchsten Stelle des Dorfs errichtet - die Burg Spee

Das Burghaus der Familie Spee ist noch erhalten (Waldstraße 28 - Privatbesitz). Es befindet sich oberhalb der Kirche an der höchsten Stelle des Ortes: ein schlichtes spätgotisches Gebäude mit hochaufragenden Giebeln aus dicken Bruchsteinmauern. Die Fachwerkteile sind in späteren Zeiten angebaut worden. Den Hof begrenzt eine Reihe von Wirtschaftsgebäuden, darunter eine Scheune aus dem 17. Jahrhundert. Neben dem Haus ist ein zwölf Meter tiefer Brunnen. Kuriosum ist ein »Weinsarg« im Keller des Hauses: ein steinerner Sarkophag, zu dem eine Rinne führt. Möglicherweise wurde er zum Auffangen von Wein verwendet, der beim Gären ausfloss.

Zuletzt wurde die Burg Spee als Hofanlage eines landwirtschaftlichen Betriebes genutzt, der 1964 ausgesiedelt wurde. Heute dient sie ausschließlich Wohnzwecken.

Um die Kirche herum sind noch zahlreiche Gehöfte vom ausgehenden 17. bis zum 19. Jahrhundert erhalten. Zumeist handelt es sich um Fachwerkgebäude, die liebevoll gepflegt werden. Eines der schönsten ist das ehemalige Pastorat (Orsberger Str. 1), gegenüber der Pfarrkirche. Es wurde mit seinem wohlgestalteten Mansarddach und Dachgauben gegen Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut. 1967 wurde es vorbildlich renoviert und dabei von der Straßenfront zurückgesetzt. Nur der Gewölbekeller ragt noch an der ursprünglichen Stelle in die Straße.

Das Kelterhaus des Winzervereins wurde bereits an anderer Stelle erwähnt (s. S. 107). In den letzten Jahren wurde der Backsteinbau mit spätklassizistischen Elementen (1901 errichtet) zum Heimatarchiv weiter ausgebaut und wird von der Gemeinde sowie verschiedenen Ortsvereinen gern genutzt.

Die Schmerzhafte Muttergottes - Mariensäule aus der Barockzeit

Fromme Zeugen

Bemerkenswert ist die reiche Zahl an religiösen Kleindenkmälern, die ein beredtes Zeugnis über die Frömmigkeit der Bewohner abgeben. Erwähnt sei der Kirchplatz und Friedhof. Hier befinden sich u.a. eine Mariensäule mit einer bewegenden Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes sowie ein ungewöhnlich gestalteter Kreuzweg mit einem symbolträchtigen Friedhofskreuz aus dem 17. Jahrhundert (s. S. 162). Aber auch in Wald und Flur begegnen uns immer wieder schön gestaltete Wege- und Segenskreuze.

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Im Buch zusätzlich enthalten:
- Legende vom Bau der Bruchhausener Kirche
- Die Hexenkönigin von Bruchhausen